Der Weg zum neuen Roman „Das Schiff“, erschienen Oktober 2015

Der Weg zum „Schiff“

 

StellSchiffen Sie sich vor, unsterblich zu sein, und noch dazu vor allen Krankheiten geschützt. Tausend, zehntausend oder mehr Jahre zu leben, Zeit für alles zu haben, verschiedene Wege des Lebens beschreiten zu können, ohne die Sorge, in eine Sackgasse zu geraten, weil man immer wieder von vorne anfangen kann.

Stellen Sie sich vor, unsterblich und immer gesund zu sein und nicht arbeiten zu müssen, weil sich Maschinen um alles kümmern. Maschinen, die intelligenter sind als es Menschen jemals sein können. Maschinen, die sich selbst bauen, sich weiterentwickeln und Menschen in jeder Hinsicht weit überlegen sind, sie aber mit allen notwendigen Dingen versorgen, ihnen fast jeden Wunsch erfüllen.

Was passiert mit Menschen, die unendlich viel Zeit zur Verfügung haben, die nicht alt und nicht krank werden, die sich für immer ihre volle geistige und körperliche Leistungsfähigkeit bewahren? Ich habe oft darüber nachgedacht und mich gefragt, wie sich solche Menschen verhalten, wie sie denken und fühlen würden. »Das Schiff« gibt einige Antworten auf diese Fragen. Ich habe mich schon in »Kinder der Ewigkeit« mit dem Thema Unsterblichkeit befasst, und ich bin ziemlich sicher, dass ich noch einmal darauf zurückkommen werde, denn es ist ein gewaltiges Thema, bei dem ich immer neue Aspekte entdecke.

Ich bin überzeugt, dass uns die Wissenschaft schon sehr bald die Möglichkeit der biologischen Unsterblichkeit geben wird, denn nichts spricht dagegen, dass sich unsere Körperzellen unbegrenzt teilen und erneuern – es kommt »nur« darauf an, die dabei auftretenden Verschleißerscheinungen zu beseitigen, und das scheint durchaus möglich zu sein. Vielleicht gehören wir Unglücklichen zu einer der letzten Generationen, die zum Tod verdammt sind. Vielleicht wird man sich eines Tages an uns erinnern als »Die armen Teufel mussten sterben, weil es zu ihrer Zeit das Serum/die Behandlung noch nicht gab«.

Ich denke auch, dass es schon bald intelligente Maschinen geben wird – die Leistungsfähigkeit unserer Computer steigt ständig, und sie sind vernetzt wie die Nervenzellen in unserem Gehirn. Es ist erstaunlich, dass beides gleichzeitig geschehen könnte, und dieser Gedanke war es, der half, den Grundstein für »Das Schiff« zu legen. Im Roman sind es die intelligenten Maschinen, die den Menschen das Geschenk der Unsterblichkeit machen, indem sie eine entsprechende Behandlungsmethode entwickeln, und vielleicht wird es genau so passieren, wenn sich die Maschinenintelligenz entfaltet. Wie geht es dann weiter? Wie werden sich Menschen und Maschinen entwickeln?

Damit wären wir bei der Evolution, einem Thema, das mich ebenso fasziniert wie die Unsterblichkeit. Beides hängt miteinander zusammen: Der Motor der Sterblichkeit treibt die biologische Evolution an; Unsterblichkeit bedeutet evolutionärer Stillstand, auf die betreffende Spezies bezogen. Die Evolution der Menschen hört mit ihrer Unsterblichkeit auf, die der intelligenten Maschinen, von Menschen geschaffen, geht immer schneller voran. Ich habe mich gefragt: Gibt es hier vielleicht so etwas wie ein Naturgesetz, das früher oder später zwangsläufig zu dieser neuen Richtung der Evolution führt? Sind die Menschen – das biologische Leben – vielleicht nur ein notwendiger Zwischenschritt auf dem Weg zu intelligente Maschinen? Maschinelles »Leben« könnte sich weitaus besser an neue kosmische Lebensräume anpassen; es wäre selbst dort lebensfähig, wo organische Organismen nicht existieren könnten. Zeit und Raum, für uns Menschen zwei fundamentale Hürden auf dem Weg zu den Sternen, würden für intelligente Maschinen eine untergeordnete Rolle spielen. Sie könnten sich einfach auf den Weg machen, interstellare Entfernungen zurücklegen und im Lauf von Jahrtausenden durch die Milchstraße reisen. Was würden sie dort finden?

Und das ist der dritte Faktor, um den es in »Das Schiff« geht. Denn die intelligenten Maschinen der Erde machen sich tatsächlich auf den Weg – sie schicken Sonden – und finden etwas, das sie und die Menschen auf der Erde bedroht. Wie können unsterbliche Menschen und intelligente Maschinen zusammenarbeiten, um der Gefahr zu begegnen? Sollten sie überhaupt zusammenarbeiten? Oder wäre es nicht besser, wenn die Maschinen die evolutionären »Altlasten« – die Menschen – hinter sich lassen und ihr volles Potenzial entfalten, ohne Rücksicht auf organisches Leben? Welcher Weg der Evolution ist der Richtige? Gibt es hier überhaupt »richtig« und »falsch«? Sind wir, das organische Leben, tatsächlich nur eine Zwischenstation der Evolution, nur ein Werkzeug, dazu bestimmt, Maschinen zu bauen, die eines Tages »wahre, dauerhafte Intelligenz« zu den Sternen tragen? Was erwartet den Menschen, wenn er eines Tages zu fernen Sonnensystemen aufbricht (falls das jemals der Fall sein sollte)? Schickt er sich dann an, ein Universum zu entdecken, in dem die maschinelle Intelligenz – alt, weise und kalt – dominiert?

Der sterbliche Adam, einer der Protagonisten von »Das Schiff«, stellt sich solche Fragen. Er findet Antworten, und zum Schluss erwartet ihn und den Leser eine Überraschung, über die ich hier natürlich nichts verrate.

 

Erschienen Oktober 2015, ISBN 978-3-492-70358-1, Taschenbuch, Broschur, 544 Seiten, Verlag: Piper

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