Überarbeitung eines Romans

Was bedeutet eigentlich »Überarbeitung eines Romans«?

Seit einer Woche bin ich dabei, meinen Roman über Künstliche Intelligenz (»Das Erwachen«, im Herbst bei Piper) zu überarbeiten. Was bedeutet das? Es bedeutet nicht, ihn schnell noch einmal nach Tippfehlern durchzusehen und dann dem Korrektor zu schicken. Überarbeiten verlangt volle Konzentration in Hinsicht auf logische Konsistenz, Figurenzeichnung, Sprache, Szenenfolge und Plot. Man geht von der Frage aus: Wie lässt sich dieses Manuskript zu einem Roman machen, mit dem ich zufrieden sein kann? Nicht umsonst rangiert das Überarbeiten bei Autoren auf der Beliebtheitsskala ziemlich weit unten, denn man stellt die eigene Arbeit infrage. Man richtet einen kritischen Blick nicht nur auf die Geschichte als Gesamtpaket, sondern auf jedes Kapitel und sogar jeden einzelnen Satz. Intensives Überarbeiten kann eine kolossale Anstrengung sein, und als Autor läuft man dabei ständig Gefahr, sich in zu vielen Einzelheiten zu verzetteln, weil es an Abstand zum Text mangelt. Hinzu kommt: Wenn die Geschichte erzählt ist, mit dem letzten geschriebenen Satz, möchte man als Autor loslassen von etwas, das im Kopf nicht nur als die in Schriftform fixierte Version präsent ist, sondern auch mit zahllosen Alternativen, mit all den Szenen, die man in Erwägung gezogen und verworfen hat. Die Überarbeitung eines Manuskripts kann wie der endlose Marsch durch ein Labyrinth sein.

Vor einer Woche habe ich mit der Überarbeitung von »Das Erwachen« begonnen, und ich denke, sie wird mich noch drei oder vier weitere Wochen beschäftigt halten. Doch damit ist der Roman noch nicht fertig. Das Manuskript kommt zum Korrektor und geht anschließend an mich zurück, woraufhin ich die Korrekturen noch einmal korrigiere. Dann schicke ich die Datei dem Verlag, wo eine weitere Revision des Romans stattfindet. Und schließlich gehe ich noch einmal die Druckfahnen durch, einige Monate vor dem Erscheinen des Buches – erst dann ist der Roman fertig. Sollte man meinen. Aber wenn ich dann im erschienenen Buch blättere, entdecke ich doch noch den einen oder anderen Fehler …

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