»Das Schiff«, die Besessenheit des Autors und wie es weitergeht

Wie es weitergeht

Der Roman »Das Schiff«, erschienen im Oktober 2015 bei Piper, hat mich zehn Monate beschäftigt, von Idee und Konzept im September 2014 bis zur Fertigstellung im Juni 2015. Mit ganz wenigen Ausnahmen habe ich zehn Monate lang jeden Tag daran gearbeitet, Samstag und Sonntag eingeschlossen, und fast immer daran gedacht. So ist ein Roman: Er lässt einen nicht los. Er kann wie eine Besessenheit sein, die einen wie ein Schatten begleitet, bis man schließlich die letzte Seite nicht nur geschrieben, sondern auch überarbeitet hat, bis die Datei mit dem fertigen Text dem Verlag übermittelt worden ist. Und manchSchiffmal gibt es selbst dann noch keine Ruhe, weil ein Teil dieser Besessenheit tief in einem verwurzelt ist, weil man sich auch nach Ablieferung des Manuskripts im Kopf noch immer mit der einen oder anderen Stelle beschäftigt und sie nachträglich ändert, manchmal zum fünften oder sechsten Mal.

Man fragt sich während des Schreibens und bei der Überarbeitung immer wieder: Ist diese Szene gut genug? Passt sie nahtlos ins Gesamtkonzept? Und ganz wichtig: Trifft sie den richtigen Ton? Ich vergleiche Romane gern mit Sinfonien, mit komplexen Musikstücken, in der es auf jeden einzelnen Ton ankommt – ein Missklang würde sofort auffallen und das ganze Musikstück stören. Oder man stelle sich einen zu erklimmenden Berg vor: Es gibt leichte Stellen und schwere Passagen. Manchmal muss man umkehren und nach einem neuen Weg suchen. Mit anderen Worten: Manchmal muss man, selbst wenn man sorgfältig plant, ganze Kapitel umschreiben, damit sie sich besser in die Gesamtstruktur einfügen. Und wenn er dann fertig ist, der Roman, wenn man sich zurücklehnen und voller Erleichterung »Es ist vollbracht!« sagen kann … Terry Pratchett, Schöpfer der Scheibenwelt, meinte einmal, dass es sich anfühlt, wie auf einer rosaroten Wolke zu schweben, wenn ein Buch fertig ist. Und dann machte er sich sogleich ans nächste, wegen des »warmen Gefühls« (warm feeling, so nannte er es), an einem Buch zu arbeiten.

Als »Das Schiff« im Oktober erschien, habe ich längst am nächsten Roman gearbeitet, der ebenfalls bei Piper erscheinen wird, im Sommer 2016. Während ich dies schreibe, ist mehr als die Hälfte des Textes fertig, und ein großer Teil davon hat bereits die erste Überarbeitung hinter sich. Das ist eine Vorgehensweise, die ich inzwischen sehr zu schätzen weiß. Wenn etwa die Hälfte des Manuskripts geschrieben ist (um die 330 Seiten bei einer Romanlänge von etwa 650 bis 680 Manuskriptseiten), mache ich mich an die erste gründliche Überarbeitung des Textes, was die Arbeit an der zweiten Hälfte erleichtert. Bei »Omni«, so der Arbeitstitel des nächsten Romans, habe ich bei der ersten Überarbeitung gleich mehrere »falsche Töne« entdeckt und recht umfangreiche Abschnitte neu geschrieben. Nicht immer eine sehr angenehme Arbeit, aber notwendig, wenn alles richtig zusammenpassen soll. Worum geht es bei »Omni«? Es wird ein großes galaktisches Abenteuer sein, in dem es – auch – um einen Menschen geht, der vor zehntausend Jahren auf der legendären Erde geboren wurde und in Diensten der Superzivilisationen namens Omni die Galaxis bereist. Wer Raumschiffe, fremde Welten, geheimnisvolle Artefakte und Aliens mag, wird voll auf seine Kosten kommen, so viel kann ich verraten. 🙂

Bis »Omni« fertig ist, wird es noch einige Monate dauern. Aber während ich weiter an dem Roman schreibe, sammle ich bereits Ideen für den nächsten, denn abgesehen von Erleichterung und Freude darüber, ein großes Projekt abzuschließen: Auch ich liebe das »warme Gefühl«, am nächsten Buch zu arbeiten.

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